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Grundphilosophie
Natürlich arbeite ich auch ich nach den klassischen Arbeitsweisen des Familienstellens, nach den Ordnungen Hellingers, dem Hereinholen von Ausgeschlossenem, dem Befrieden von alten weitergetragenen Konflikten am Ursprungsort, um nur einige Prinzipien zu nennen. Dennoch hat sich über die Zeit und meiner Erfahrung aus anderen Therapiebereichen heraus eine eigene Variante der Herangehensweise gebildet, deren Grundzüge ich ihnen hier kurz darstellen will.
Familienbewusstsein, Individualbewusstsein, Universelles Bewusstsein
Nach meiner Meinung hat unser Handeln viel mit diesen drei Bewusstseinszuständen zu tun, wobei in den Familienaufstellungen hauptsächlich die ersten beiden zu Tage treten.
Familienbewusstsein
Das Familienbewußtsein (oder Sippenbewusstsein) schaut nicht auf den Einzelnen. Hier gilt die einfache Grundregel, was der Familie gut tut und ihr Überleben sichert ist gut und was ihr schadet ist böse. Man sieht hier sehr schnell, daß diese Art des Umgangs mit Problemen sehr alt und archaisch ist. Das Familienbewusstsein war die gängige Denkweise über viele tausend Jahre und löste sich vordergründig erst langsam im Laufe der Industrialisierung und dann endgültig nach dem zweiten Weltkrieg auf. Denn vorher war das Funktionieren der Familie zum Überleben dringend notwendig und alles, was ihrem Ansehen schadete, was gängigen Normen widersprach oder Regeln brach wurde als Bruch mit der Familie aufgefasst und der Betreffende wurde auf irgendeine Weise ausgeschlossen. Diese Ausgeschlossenen sind auch diejenigen, die in den Aufstellungen immer wieder auftauchen und ihren Platz einfordern, da doch im Hintergrund ein Ausgleich von Unrecht stattfinden muß. Es herrscht bei jedem einzelnen Familienmitglied auch oft eine große Angst davor, Regeln zu brechen, da der Ausschluß als sehr schlimm empfunden wird. Natürlich entsteht und entstand aus der einseitigen Ausrichtung auf das Familiengewissen viel Leid durch Unterdrückung Einzelner, andererseits bietet es aber auch Schutz, Geborgenheit und ein Eingebettet sein in etwas Größeres, was vor allem für Kinder oft wichtig ist. In unserer Zeit wird dieses Famlienbewußtsein abgelehnt und wir tun oft so, als gäbe es diese Bindungen und ihre Kraft nicht mehr. Aber man darf nicht vergessen, daß Kinder und in der Kindheit erhalten wir unsere Prägungen fürs Leben, noch voll in diesem Familienbewusstsein handeln, denn für ihr Überleben ist es zwingend erforderlich sich an diese Familienregeln zu halten. In den Aufstellungen zeigt sich, welch starke und hintergründige Wirkung diese Familienbande noch haben und unser Handeln bestimmen. Doch nach meiner Erfahrung ist es für die persönliche Weiterentwicklung notwendig, daß das Familienbewusstsein geachtet und befriedet wird so daß ein Ausgleich zwischen Individualseele und Familienseele stattfinden kann.
Individualbewusstsein
Während das Familienbewusstsein auf die Gruppe schaut, sieht das Individualbewusstsein nur den Einzelnen. Hier gilt was mir gut tut ist gut und was mir schadet ist böse. Das Individualbewußtsein ist also rein egoistisch (wobei ich Egoismus grundsätzlich nicht als negativ betrachte) und arbeitet nach dem Lustprinzip. Es ist die immer mehr vorherrschende Geisteshaltung in unserer Gesellschaft. Das Individualbewußtsein gibt uns die Kraft aus dem bestehenden Rahmen herauszutreten und unser ureigendstes Potential auszuschöpfen, was uns einzigartig und unverwechselbar macht. Es läßt uns zu uns stehen und sorgt dafür, daß wir es aushalten uns gegen die Familienregeln zu stellen. Natürlich gab es das Individualbewusstsein und den Egoismus schon immer, nur mußte man es früher schaffen, egoistisches Verhalten mit den Familienregeln zu kaschieren, um im Verbund bleiben zu können. Pech hatte, wer früher so außergewöhnliche Wünsche hatte, daß sie sich einfach nicht mit dem Familiengewissen vereinbaren ließen. Natürlich entsteht durch die einseitige Ausrichtung auf das Eigene viel Leid in einem selbst wie im Außen durch Abgrenzung von anderen und hemmungsloses Durchsetzen seiner eigenen Interessen. Rein auf das Individualbewußtsein ausgerichtete Menschen sind in der Regel nicht beziehungs- und bindungsfähig und meinen, sie könnten alles alleine und brauchen andere Menschen nicht. Dies macht aber sehr einsam und alleine. In der Aufstellungsarbeit zeigt sich oft, daß das Individualbewusstsein seine wahre Kraft entfaltet, wenn es die befriedete Familie im Rücken weiß und dann wirklich frei agieren kann. So ist ein gesunder Egoismus möglich, der noch Andere im Blick hat.
Universalbewusstsein
Nach meiner Meinung ist dies der spirituelle Aspekt der Bewusstseinsarten. Hier tritt das Einzelne, wie das Familiäre zurück und wir sind eingebunden in den ganzen Kosmos und erleben und erfahren unser Leben als eine Einheit mit dem Ganzen und damit etwas Höheren. Dies ist in seiner wirklichen Konsequenz und Verwirklichung wohl nur sehr wenigen Menschen vergönnt und in den östlichen Religionen wird dieser Zustand meist mit „Erleuchtung“ übersetzt. Für mich stellt er die Weiterentwicklung aus den vorangestellten Bewusstseinszuständen dar. Nach meiner Erfahrung ist vorher eine intensive Auseinandersetzung und Bearbeitung von Familien- und Individualbewußtsein vonnöten, um sich diesem Zustand zu nähern. Dieser Bewusstseinszustand ist dann auch eher ein Ideal für den Aufstellungsleiter und so spricht Bert Hellinger von dem „Aufsuchen der inneren leeren Mitte“ aus der heraus gearbeitet werden soll. In den Aufstellungen selbst tritt er manchmal auf und ist einfach ein Geschenk des Universums. Man kann ihn nicht machen. Alle Teilnehmer sind dann einfach still, berührt und keiner findet Worte für das was gerade passiert ist, aber jedem ist klar, daß hier etwas Größeres im Raum war.
Zu meiner Arbeitsweise
Neben der systemischen Arbeit des Familienstellen ist mein zweites großes psychotherapeutisches Standbein die Gestalttherapie. Während das Familienstellen von seiner Grundstruktur eher das Familienbewusstsein achtet und ihm wieder Raum gibt, stellt die Gestalttherapie die Förderung und den Ausdruck der Individualseele in den Vordergrund. Somit habe ich in diesen zwei Methodenbausteinen ein Paar wie Yin und Yang, die sich für mich trotz ihrer Gegensätzlichkeit wunderbar ergänzen. So sind auch meine Aufstellungen immer dem Prozess angepaßt und legen das Gewicht auf den Bewusstseinszustand der gerade zu fördern ist. Dabei ergibt sich meist zuerst eine Klärung des Familiensystems (die sich an den Hellingerprinzipien ausrichtet) um dann in der Aufstellungsarbeit immer mehr in innerpsychische Aufstellungen überzugehen, die das Individualbewusstsein klären. Natürlich findet immer wieder ein Austausch und ein Wechseln zwischen diesen Bereichen statt. So ergibt sich mit der Zeit ein rundes und gefestigtes Bild des Selbsterfahrungsprozesses, der nicht dogmatisch in einem Zustand bleibt. Einflüsse aus anderen Therapiemethoden und östlich meditativen Methoden ergänzen die Arbeit in gegebenen Rahmen. In der Ausbildung selbst werden ihnen dabei nur die klassischen und wichtigen Vorgehensweisen des Familienstellens unterrichtet, doch sehen sie in meiner Arbeitsweise auch mögliche Erweiterungen und Varianten des Familienstellens.
Zur Person Bert Hellingers und dem Familienstellen
Wenn sie Familienstellen bei Google eingeben, werden ihnen auf der ersten Seite neben Bert Hellingers Seiten selbst hauptsächlich Kritikerseiten aufgezeigt werden, denn Bert Hellinger spaltet die psychotherapeutische Szene wie kein Anderer. Die Menschen neigen entweder zur guruhaften Überhöhung oder zur Skandalisierung und Darstellung als sektierendem Demagogen. Auch in der Ausbildung wird dieses Thema immer wieder zur Sprache kommen, denn erstens müssen sie sich selbst ein Bild machen und zweitens müssen sie mit eventuell an sie herangetragener Kritik umgehen können. Als erstes muss man sagen, dass Bert Hellinger in seiner unverwechselbarer Weise eine charismatische Persönlichkeit ist und durch seine vielfältigen Lebenswege hat er bestimmt eine Lebens- und Therapieerfahrung von der viele nur träumen können. Zudem empfinde ich bei ihm eine innere Kraft, wenn er arbeitet, die ich sonst nur von den wenigen Zen-Meistern kenne, die ich kennenlernen durfte. Den Kritikpunkt, den ich unterstütze, ist die mangelnde Nachsorge bei seinen Seminaren, auf die ich bei meinen Teilnehmern immer bestehe. Ob ich selbst so Großveranstaltungen geben würde bezweifle ich, allerdings folgte Hellinger da wohl einfach dem, was das Leben vorgab und so konnte sich das Familienstellen in dem Maße verbreiten, wie es heute der Fall ist. Er arbeitete früher sehr konfrontativ, stark eingreifend und machte dem Klienten teilweise starke Vorgaben, was viele Patienten wahrscheinlich überforderte. Seitdem sich seine Arbeit seit ca. 10 Jahren aber zur Bewegung der Seele hin entwickelt hat empfinde ich das Vorgehen mehr behutsamer und er überläßt die Arbeit mehr der Aufstellung selbst.
Ob das Familienstellen von Hellinger erfunden wurde, oder ob Virgina Satir die Mutter des Familienstellens ist, wird wohl nie endgültig geklärt werden. Sicher ist, dass Hellinger bei Satir gelernt hat und ich denke, wie wir heute das Familienstellen kennen (vor allem der konkrete Einsatz des wissenenden Feldes, der Stellvertreter und der Ordnungen) sind Entwicklungen von Hellinger selbst. Sein Verdienst ist es vor allem in der von der humanistischen Psychologie (die das Individualbewusstsein förderte und das Familienbewusstsein eher ablehnte) geprägten Szene dem Familienbewusstsein wieder Raum und Achtung zu verschaffen (eine tiefe systemische Verbeugung vor dir, Bert). Deshalb gab es auch so harsche Kritik, weil seine Thesen natürlich als autoritär und patriarchalisch aufgefasst wurden. Ich denke unsere Aufgabe heute wird es sein, dem Familienstellen seinem ihm gemäßen Platz zuzuweisen, ohne nun für uns den dogmatischen Anspruch auf die allein seelig machende Religion zu erheben. Wie ich oben schon ausführte gilt es auch hier meiner Meinung nach einen Ausgleich zwischen Individual- und Familienbewusstsein herzustellen und flexibel auf das Leben zu reagieren.
Bei Interesse fordern sie bitte unsere kostenlose Infomappe an.
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